Reis

Reis ist nach Mais und Weizen das meist angebaute Getreide. Er wird hauptsächlich in Asien angebaut und verzehrt. Häufig werden Wasserbüffel für die Bearbeitung der Reisfelder eingesetzt, die Ernte wird mit Sicheln eingeholt. Für über die Hälfte der Menschheit ist er Grundnahrungsmittel, vor allem für Menschen in Süd- und Südostasien. Sie sind besonders stark von seinen Weltmarktpreisen abhängig. Der pro Kopf-Konsum in Asien liegt bei 100 kg pro Jahr. mehr

Der Reis wurde in zwei Kultivierungszentren zu unterschiedliche Zeitpunkten domestiziert, vor knapp 10.000 Jahren in China und vor 3.000 Jahren im heutigen Mali. Daraus resultieren zwei verschiedene kultivierte Reisarten: der asiatische und der afrikanische Reis. Der asiatische Reis wurde durch Migrationsbewegungen verbreitet. Von seinem Kultivierungszentrum im Jangtsekiang-Tal wurde der asiatische Reis in China, später nach Indien und andere ost- und südostasiatische Regionen verbreitet und vielerorts als göttliche Gabe verehrt. Migrationsbewegungen brachten vor 3.000 Jahren den asiatischen Reis nach Madagaskar. Handelsrouten verbreiteten ihn vor 1.000 Jahren bis nach Ost-Afrika.

Der afrikanische Reis wurde vor 3.000 Jahren vom inneren Niger-Delta in ganz Westafrika verbreitet. Die arabische Besetzungspolitik zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert verbreitete den Reisanbau über ganz Nordafrika, von wo er im 9. Jahrhundert durch die Araber*innen nach Spanien gebracht wurde.

Ab dem 15. Jahrhundert wurde Reis v.a. durch die Kolonialisierung zur globalen Pflanze und zum globalen Handelsprodukt, bei dem die großen Gewinne in den Händen Weißer blieben. Die Portugies*innen eigneten sich im 15. Jahrhundert den Reisanbau der afrikanischen Jola-Bevölkerung an. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts mussten versklavte Westafrikaner*innen auf Kap Verde u.a. Reis anbauen und die Schiffe des Versklavungshandels damit bestücken. Über die Versklavungsschiffe wurde Reis in die Amerikas gebracht, wo er mit dem fundierten Wissen und der Arbeitskraft versklavter und verschleppter Menschen im Plantagenanbau in Brasilien, South Carolina und Georgia angebaut wurde.

Die Kolonialbesetzungen in Südostasien bewirkten eine Umstrukturierung der Landwirtschaft und Flächennutzung. Die starke koloniale Exportorientierung führte zu mehreren Reiskrisen und Hungerskatastrophen, z. B. in Indien, auf Sumatra Nord-Borneo, heutigem Malaysia und Sri Lanka

Historische Held*innen zum Reis

Mit der Arbeitskraft versklavter Menschen bauten die Europäer*innen und später die weißen Großgrundbesitzer*innen Reis in den Amerikas an. Doch es regte sich Widerstand gegen die Versklavung von Menschen. Versklavte Menschen selbst waren maßgeblich beteiligt am Kampf gegen Versklavung. Die Plantagen in den USA waren eine große Quelle für diesen Widerstand.

Harriet Tubman

Auch Frauen waren maßgeblich an der Bewegung des Abolitionismus beteiligt. Zu ihnen gehörte Harriet Tubman (ca. 1820 – 1913). Sie war die bekannteste afroamerikanische Fluchthelferin der Organisation Underground Railroad. Mit Informationen, geheimen Routen, Schutzhäusern und Fluchthelfer*innen unterstützte dieses Netzwerk Menschen dabei, aus den Südstaaten und den Plantagen in den sicheren Norden und nach Kanada zu gelangen. Zwischen 1810 und 1850 konnten so etwa 100.000 Versklavte befreit werden, unter anderem aus der Versklavung der Reis-, Tabak- und Baumwollplantagen.

Harriet Tubman war selbst mit 29 Jahren aus der Versklavung entflohen und kehrte dennoch 19 Mal in die Südstaaten zurück, um anderen Menschen zur Flucht zu verhelfen. In späteren Jahren engagierte sie sich in der Frauenbewegung. Heute tragen Schulen und Museen ihren Namen, Würdigung erfährt Harriet Tubman auch in Biographien und auf Briefmarken.

„Als ich merkte, dass ich die Grenze überschritten hatte, schaute ich auf meine Hände, um zu sehen, ob ich immer noch dieselbe Person war. Es war alles so herrlich; die Sonne schimmerte wie Gold durch die Bäume und über die Felder und ich fühlte mich, als wäre ich im Himmel.“ – Harriet Tubman über ihre Gefühle beim Überschreiten der Grenze zwischen Nord- und Südstaaten, zitiert in „Streitbare Frauen: Porträts aus drei Jahrhunderten“ von Michaela Karl, St. Pölten 2009.

Harriet Tubman, the Black Moses

Frederick Douglass

Frederick Douglass war einer der einflussreichsten Afroamerikaner des 19. Jahrhunderts und ein Abolitionist, das heißt, er setzte sich für die Abschaffung der Versklavung ein.

Er wurde um 1817 selbst in die Versklavung geboren und schon von Kindesbeinen an vielerorts zur Arbeit gezwungen. Gerade zwanzig geworden gelang ihm 1838 die Flucht in die Freiheit. Er ging nach New York und berichtete dort auf Veranstaltungen und Vorträgen von seinen Erfahrungen als Versklavter.

Mit der Zeit wurde Douglass ein wichtiger Redner und Autor der Befreiungsbewegung. Seine Erfahrungen verarbeitete er auch literarisch, zum Beispiel in seiner Lebensgeschichte, die in den USA erstmals 1845 unter dem Titel „A Narrative of the Life of Frederick Douglass, an American Slave“ erschien. Briefmarken, Statuen und die Frederick Douglass Memorial Bridge in Washington D. C. erinnern bis heute an den berühmten Freiheitskämpfer.

Douglass’ Vermächtnis in berühmten Zitaten

Videos

Videos diskutieren Kolonialismus, Kolonialrassismus, heutige postkoloniale Produktionsverhältnisse und welche Alternativen es zu postkolonialer Ausbeutung geben könnte.

zu den Videos

Bildungsmaterial

Bildungsmaterial zeigt, wie zu Reis und Kolonialismus mit interaktiven Methoden gearbeitet und diskutiert werden kann.

zum Bildungsmaterial

Recherchebericht

Ein Bericht recherchiert und beleuchtet ausführlich die Globalgeschichte von Reis.

zum Recherchebericht