Zuckerrohr

Das Hauptprodukt des Zuckerrohrs, der Rohrzucker, wird weltweit in großen Mengen verbraucht. Weltweit werden um die 70% des Zuckers aus Zuckerrohr hergestellt, um die 30% aus Zuckerrüben. Jede*r Deutsche braucht im Jahr über 37kg Zucker. Zucker versteckt sich in vielen Fertigprodukten, aber auch in Form von Bioethanol in Kraftstoffen wie Benzin. Häufig wird Zuckerrohr auf Plantagen unter menschenunwürdigen und auch umweltbelastenden Bedingungen angebaut. mehr

Zuckerrohr wurde ausgehend von der pazifischen Inselgruppe „Melanesien“ als roher Reiseproviant mitgenommen. Die reisenden „Melanesier*innen“ verbreiteten die Pflanze bis nach Indien und die Philippinen. Über den Handel gelangte Zuckerrohr nach Persien, wo die Zuckerherstellung entwickelt wurde.

Besonders prägend für den Anbau und die weltweite Nutzung von Zuckerrohr waren die Kolonisierung der Karibischen Inseln und der Amerikas sowie der Plantagenanbau. Zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert besetzten heutige europäische Nationen, wie Deutschland, die Niederlande, Portugal, Spanien, Frankreich und Großbritannien, Gebiete und Regionen in den Amerikas, in Afrika und Asien. Die europäische Kolonialpolitik, die vieler Orts mit einem Höchstmaß an Gewalt durchgesetzt wurde, beinhaltete die strukturelle Ausbeutung von Menschen. Konkret umfasste koloniale Ausbeutung z. B. Versklavung und Landnahme sowie grundlegende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen. Dieser brutalen Machtpolitik wurden viele Menschen unterworfen. Millionen von Menschen wurden zur Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen verpflichtet – auch zum Anbau von Zuckerrohr. Die gewaltsamen Besetzungen führten zu Fremdbezeichnungen von Regionen und Menschen, zu Überlagerung und Auslöschung originärer Kulturbestandteile wie Sprache oder Kunst sowie von historisch gewachsenem Wissen. Sie führten zur Erzwingung von Arbeit und zum Aussterben indigener Bevölkerung durch die unmenschlichen Bedingungen und eingeschleppten Infektionskrankheiten. Zum Beispiel starb die indigene Bevölkerung in der Karibik, die Gruppe der Taíno, in wenigen Jahren fast völlig aus.

Agüeybaná II.

Christoph Kolumbus war sich über das lukrative Geschäft mit Zuckerrohr bewusst und ließ bei der Invasion der Karibik Zuckerrohr-Stecklinge pflanzen. Die indigene Bevölkerung wehrte sich gegen die gewaltsame Eroberung und unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf Plantagen und in Minen. Agüeybaná II., mit dem Beinamen „die große Sonne“ oder „der große Kämpfer“ (El Bravo), lebte von etwa 1470 bis 1511 und war einer der wichtigsten und mächtigsten Anführer der indigenen Bevölkerungsgruppe der Taíno in Puerto Rico, das in der Sprache der Taíno Boriken heißt. Er hielt Areytos (Kriegstänze) und geheime Treffen mit weiteren Anführern ab und organisierte so einen Aufstand. Er führte die Taíno in der Schlacht von Yagüecas an, dem sogenannten Taíno-Aufstand von 1511.

Zwischen 11.000 und 15.000 Taíno versammelten sich gegen etwa 80 bis 100 Spanier*innen. Noch vor Beginn der Schlacht erschoss ein spanischer Soldat Agüeybaná II. Die Krieger*innen zogen sich daraufhin desorganisiert zurück. 

In den folgenden acht Jahren führten die Taíno einen Guerillakrieg und organisierten weitere Aufstände. Eine Volkszählung der Regierung im Jahre 1530 berichtete von nur noch 1.148 Taíno in Boriken. Durch ihre grausame Behandlung in der Versklavung und eingeschleppte Krankheiten waren die meisten Taíno innerhalb weniger Jahre verstorben. 

Toussaint Louverture

Auch in Haiti, der wichtigsten Region des Zuckerrohranbaus, leisteten die versklavten Menschen Widerstand gegen Versklavung und Zwangsarbeit auf den Plantagen. 1791 entbrannte aus einem Aufstand der Versklavten in Saint Dominique die Haitianische Revolution (1791 – 1804). Nach französischem Vorbild war dies ein Kampf um „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“. Eine der führenden Figuren dieses Kampfes war François-Dominique Toussaint Louverture (1743 – 1803). Er war in die Versklavung hineingeboren und als Kutscher zur Arbeit gezwungen worden, wodurch er mehr Freiheiten hatte als andere versklavte Menschen: Er konnte die Plantage unbeaufsichtigt verlassen und so Informationen austauschen, mit anderen Versklavten Kontakte knüpfen und Versammlungen organisieren. Um 1776 wurde Louverture in die Freiheit entlassen und unterstützte von da an als geschickter Verhandlungsführer und militärischer Stratege den Haitianischen Befreiungskampf.

Dreizehn Jahre lang kämpften die haitianischen Revolutionär*innen um ihre Freiheit. Die Befreiungsbewegung organisierte sich immer wieder neu, befreite versklavte Menschen und trug verlustreiche Kämpfe aus. Im Jahr 1794 konnte sie eine Abschaffung der Versklavung in allen französischen Kolonien bewirken. 1803 starb Louverture in Frankreich in Gefangenschaft. Ein Jahr später wurde Haiti als erste Republik von ehemaligen Versklavten ausgerufen.

Videos

Videos diskutieren Kolonialismus, Kolonialrassismus, heutige postkoloniale Produktionsverhältnisse und welche Alternativen es zu postkolonialer Ausbeutung geben könnte.

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Bildungsmaterial

Bildungsmaterial zeigt, wie zu Zuckerrohr und Kolonialismus mit interaktiven Methoden gearbeitet und diskutiert werden kann.

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Recherchebericht

Ein Bericht recherchiert und beleuchtet ausführlich die Globalgeschichte von Zuckerrohr.

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